Kreislauf statt Einweg
«Der grösste Wert liegt oft schon im Bestand.»
Wie wird aus Kreislaufwirtschaft ein tragfähiges Geschäftsmodell für den Ladenbau? Am Swiss Shopfitters Seminar vom 8. September 2026 zeigten Walter Weiler und Tom Koch von Rytec Circular und Christian Eichenberger der Rent.Group, weshalb Wiederverwenden, Reparieren und Aufarbeiten weit mehr sind als Nachhaltigkeitsmassnahmen: Sie erhalten Werte, reduzieren Ressourcenverbrauch und eröffnen neue wirtschaftliche Chancen.
Vom Produkt zum Kreislauf
Walter Weiler machte deutlich: Kreislaufwirtschaft beginnt nicht beim Recycling. Entscheidend ist, Produkte und Materialien möglichst lange auf einer hohen Wertstufe zu halten. Für Unternehmen bedeutet das, bereits bei Design, Beschaffung und Geschäftsmodell an Wiederverwendung, Reparatur und Aufarbeitung zu denken. Dabei geht es nicht nur um Ökologie. Restwerte lassen sich wirtschaftlich nutzen, Ressourcen effizienter einsetzen und neue Geschäftsmodelle entwickeln.
Auch die Regulierung erhöht den Handlungsdruck. Gerade für Schweizer Ladenbauer mit EU-Geschäft steigen die Anforderungen an Produkt- und Lieferkettendaten. Gleichzeitig entsteht eine Chance: Wer Kreislauffähigkeit früh in Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle integriert, kann daraus einen Wettbewerbsvorteil entwickeln.
Im praktischen Teil wurden unter der Leitung von Tom Koch die theoretischen Inputs zu konkreten Beispielen. In Gruppen diskutierten die Teilnehmenden intensiv was realistische Möglichkeiten sind.
Nutzung statt Eigentum
Wie Kreislaufwirtschaft in der Praxis funktioniert, zeigte Christian Eichenberger am Beispiel der Rent.Group. Statt Produkte einmal zu verkaufen, werden Möbel und Ausstattungen vermietet, zurückgenommen, aufbereitet und erneut eingesetzt. Die Nutzungsphase wird damit zum entscheidenden Hebel: Sharing statt schlecht ausgelastetem Eigentum, Wiederverwenden statt Neukaufen und Reparieren statt Entsorgen.
Die Dimensionen zeigen das Potenzial: Die Rent.Group arbeitet mit über 4'500 Produktkategorien und mehr als sechs Millionen Einzelartikeln. Gemäss Präsentation ersetzt ein gemietetes Möbelstück über seine Lebensdauer 7 bis 15 Neukäufe.
Für den Ladenbau bleibt damit eine zentrale Frage: Müssen wir Produkte besitzen – oder müssen wir ihre Leistung nutzen?
«Die Kreislaufwirtschaft beginnt nicht beim Recycling, sondern bei der Frage, wie wir Produkte gestalten, nutzen und ihren Wert möglichst lange erhalten.»